Allgemeines

Die "Zucht" von Ratten begann um 1820 herum in England. Damals wurden wilde Albinos eingefangen und für grausame Veranstaltungen (das sog. Rat-baiting *englischer Wikipediaartikel*) vermehrt.

Dabei ging es darum, dass ein Terrier in eine Grube/einen abgesperrten Bereich mit vielen Ratten geworfen wurde und in einer vorgegebenen Zeit so viele Ratten wie möglich töten sollte.

 

Im Laufe der Zeit entdeckte der Mensch, dass sich Ratten auf Grund der Ähnlichkeit zum Menschen und der hohen Reproduktionsrate gut für Forschungszwecke eignen.

 

Unsere heutigen Farbratten entstammen Kreuzungen aus den Labortieren und Wanderratten.

Verschiedene Ratten

Es gibt viele verschiedene Rattenarten auf die ich auf dieser Homepage nicht komplett eingehen kann und möchte.

Diese Seite beschäftigt sich mit Farbratten (rattus norvegicus domesticus) und um die soll es auch primär gehen.

Der Vorfahr der Farbratte ist die Wanderratte. Da sie sehr eng miteinander verwandt sind, möchte ich sie euch kurz vorstellen:

 

Wanderratte (rattus norvegicus)

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)

Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)

Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)

Unterfamilie: Echte Mäuse (Murinae)

Gattung: Ratten (Rattus)

Art: Rattus Norvegicus

Vorkommen: Weltweit (außer Arktis und Antarktis)

Ernährung: Allesfresser

Farbe: Agouti (schmutziges Braun)

Gewicht: ca. 300-600g

Größe: bis ca. 28cm + ca. 25cm Schwanz

Rudelgröße: bis zu 70 Tiere

 

Ursprünglich stammt die Wanderratte aus Zentralasien und kam ca. 1000 n. Chr. als Kulturfolger auch nach Europa. Ab dem 18. Jahrhundert hatte sie die hier zuvor beheimatete Hausratte (rattus rattus) fast vollständig verdrängt.

 

Die Wanderratte wird gemein hin als Schädling angesehen und mit Fallen und Gift nahezu überall bekämpft. Ausnahmen gibt es allerdings, wie zum Beispiel den Karni-Mata-Tempel in Indien, in denen die Ratten als heilige Tiere verehrt werden.

Die Ratte als Schädling ist im übrigen "hausgemacht"; der Mensch bietet den Wanderratten mit Kellern und Kanalisationen perfekte Lebensräume zum überwintern und sorgt durch die derzeit fast überall vorherrschende Wegwerfmentalität für perfekte Lebensbedingungen.

Würden alle Menschen in Zukunft darauf verzichten, Essensreste die Toilette hinunter zu spülen (und damit auf direktem Weg in die Kanalisation zu befördern), könnten bereits viele großangelegte Vergiftungsaktionen verhindert werden.

 

Wie bereits erwähnt ist die Wanderratte der Vorfahr unserer Farbratten. Es ist nicht zu empfehlen, Wanderratten aufzunehmen und sie bei sich zu Hause halten zu wollen. Bis aus dem Wildtier Wanderratte, das Haustier Farbratte geworden ist, sind Jahrzehnte vergangen, in denen Generationen von Ratten in menschlicher Obhut lebten. Selbst halbwilde Tiere (ein Elternteil Farb-, der andere Wanderratte) sind sehr schwer zu halten und werden trotz Handaufzucht selten wirklich zahm.

 

Sinnesleistungen

Augen

Ratten haben durch ihre seitlich angebrachten Augen einen guten Rundumblick. Sie haben kein räumliches Sehvermögen und können Höhen schlecht abschätzen, Bewegungen nehmen sie gut wahr. Farben können sie kaum erkennen, sie sehen also ihre Umwelt eher in Grautönen und das recht verschwommen.

Ein Beispiel für das Sehvermögen von Ratten findet ihr hier: Rat Cam

 

Ratten können ihre Augen sogar unabhängig voneinander bewegen.

Ein interessanter Artikel dazu: Ratten schauen in zwei Richtungen gleichzeitig

Nase

Ratten haben einen ausgesprochen guten Geruchssinn. Sie nehmen ihre Umwelt über sehr differenzierte Gerüche wahr. Sie verständigen sich über gelegte Duftspuren, markieren ihr Revier mit Düften und orientieren sich auch bei der Partnerwahl und innerhalb des Rudels am Geruch.

 

Mund

Ratten haben einen ausgeprägten Geschmacksinn und können schon kleinste Veränderungen in der Futterzusammensetzung erkennen. Sie können Nahrungskomponenten erkennen, die ihnen oder ihren Rudelmitglieder nicht bekommen sind und sortieren diese aus.

 

Tasthaare

Ratten besitzen Tasthaare (Vibrissen) mit denen sie ihre Umgebung ertasten können. Sie können so auch in der Dunkelheit ihre Umgebung gut wahrnehmen.

Ohren

Ratten haben ein sehr gutes Gehör. Sie können ihre Ohren unabhängig voneinander in alle Richtungen bewegen. Sie nehmen auch Töne wahr, die der Mensch nicht mehr wahrnehmen kann. Sie verständigen sich untereinander vorwiegend im Ultraschallbereich.

Gleichgewicht

Ratten haben einen hochdifferenziertes Gleichgewichtsorgan im Innenohrbereich, so können sie problemlos auf Seilen oder an Kanten entlangbalancieren.

 

Daten

Zähne

Ratten haben vorne 4 ständig nachwachsende Nagezähne, diese Zähne haben an der Vorderseite eine starke Zahnschmelzauflage, die gelblich bis orange ist, dazu besitzen sie 12 Backenzähne die nicht nachwachsen.

Zehen

Ratten haben an den Vorderfüßen 4 Zehen und eine nur ansatzweise vorhandene 5. Zehe, an den Hinterfüßen haben sie 5 Zehen.

Körpertemperatur

ca. 36,5 - 37,9 °C

 

Atemfrequenz

ca. 80 - 140 Respirationen/min

 

Herzfrequenz

ca. 280 - 450 Schläge/min