Qualzuchten

Wie bei (fast) allen Tieren, die sich als Haustiere etablieren, gibt es auch bei Ratten Zuchtformen, die Menschen sehr toll finden, die aber für die Tiere suboptimal oder schädlich sind.

Solche Zuchtformen sollten keinesfalls unterstützt werden.

 

Es ist keine Schande solche Tiere aufzunehmen, wenn sie ohnehin schon "da" sind, also im Tierheim oder in Notfallvermittlungen auf ein neues zu Hause warten, allerdings sollte man ihre gezielte Zucht unter keinen Umständen durch einen Kauf beim Züchter unterstützen.

 

Was es für Qualzuchten gibt, woran man sie erkennt und warum sie so gezüchtet wurden, habe ich im folgenden aufgelistet.

Wer sich im allgemeinen über Qualzuchten informieren möchte, kann dies hier tun: *Video - Qualzuchten bei Rassehunden Doku* (Achtung: lang!)

Alternativ hier: *Wikipediaartikel - Qualzuchten*

 

 

Dumbos

Dumbos sind die Zuchtform, bei der am stärksten darüber gestritten wird, ob es sich nun um eine Qualzucht handelt oder nicht. Ein Dumbo zeichnet sich durch vollkommen andere Ohren aus, als eine normale Ratte. Die Ohren befinden seitlich am Kopf und sind viel größer und vor allem runder, als bei normalen Ratten. Weiterhin ist der Schädel von Dumboratten abgeflacht.

Es wird vermutet, dass Dumbos häufig taub sind und (auf Grund der veränderten Schädelform) unter Beeinträchtigungen beim Sehen, sowie unter Kopfschmerzen leiden.

 

Diese Punkte sind reine Spekulation, denn es konnte noch keiner nachgewiesen werden. Fakt ist aber, dass Dumboratten ein Kommunikationsmittel fehlt. Sie können ihre Ohren nicht im selben Ausmaß bewegen, wie Ratten mit normalen Ohren. Dadurch kann es zu Missverständnissen bei der Kommunikation und zu erschwerten Integrationsbedingungen kommen.

 

Warum Dumbos so gezüchtet wurden, ist recht einfach zu erklären: Sie sehen süß aus. Sie erfüllen mit ihrem rundlichen Schädel das allseits beliebte Kindchenschema.

Am Ende dieser Seite habe ich 2 Bilder von Dumboratten und 2 Bilder von Ratten mit normalen Ohren als Vergleich eingestellt.

 

Nacktratten

Was Menschen dazu verleitet nackte Tiere zu züchten, wird sich mir wohl nie erschließen. Der Grund dafür ist aber freilich leicht erklärt: Fell kann Allergien auslösen, also wird es weggezüchtet.

Der "Witz" an der Sache ist allerdings, dass man bei Ratten meistens nicht auf das Fell reagiert, sondern auf den Urin. Somit ist eine Nacktratte eine vollkommen sinnlose Züchtung.

Nachteile dieser Züchtung sind:

- Fehlender Schutz: Ratten gehen oft ruppig miteinander um und ziehen sich gegenseitig am Fell, dieses schützt die Haut vor Verletzungen.

- Wärmehaushalt: Bei einem Tier ohne Fell muss penibel auf die Raumtemperatur geachtet werden. Ein paar Grad mehr oder weniger können dafür sorgen, dass die Tiere sterben.

- Fehlende Vibrissen: Den Tieren fehlen oft vollständig die Vibrissen und sind somit einer wichtigen Orientierungshilfe beraubt

- Erhöhte Krankheitsanfälligkeit: Auf Grund der fehlenden Isolation des Fells sind Nackratten prädestiniert dafür, Blasen- und Nierenerkrankungen zu entwickeln

 

Mit dem Kauf einer dieser Ratten unterstützt man also nicht nur eine Qualzucht, sondern holt sich auch noch jede Menge Probleme und fast schon dauerhaft kranke Ratten ins Haus.

 

Patchwork

Patchworkratten haben die seltsamste Fellform, die mir bei Ratten bekannt ist. Entweder sie sind vollständig befellt und das Fell fällt ihnen rasch aus, um dann wieder nachzuwachsen, oder sie haben einen "Fellfleck", welcher sozusagen um den Körper des Tieres herumwandert. Also an einer Stelle wächst, während er an einer anderen Stelle wieder ausfällt.

Hier sind die selben Probleme zu sehen, wie bei den Nacktratten. Warum diese Zuchtform aufgenommen und weiter gezüchtet wurde, erschließt sich mir nicht.

Wenn es mir jemand erklären kann, wäre ich dankbar, wenn mich diese Person kontaktiert.


Rex

Rexratten haben ein zum größten Teil gekräuseltes oder gelocktes Fell. Auch ihre Vibrissen und Wimpern sind meist gekräuselt.
Der Vorteil an dieser Züchtung ist, dass das Fell dieser Tiere unglaublich weich ist. Das ist aber auch der einzige Vorteil und die Nachteile überwiegen (wieder einmal).

Nachteil des an sich gekräuselten Fells ist, dass andere Ratten das Fell als aufgestellt deuten können, also denken, dass die Rexratte sie "anborstelt" (Fell aufstellen um größer zu wirken, Drohung). Dies ist vor allem bei Integrationen ein Problem, da dies zu immensen Schwierigkeiten führt.

Gekräuselte Virbrissen beeinträchtigen die Orientierung der Ratte und können (im schlimmsten Fall) die Nase des Tieres reizen und somit zu dauerndem Niesen oder gar Entzündungen führen.

Gekräuselte Wimpern können in die Augen wachsen und zu schweren Augenentzündungen führen.

Unter diesen Texten habe ich ein Bild einer Rexratte angehängt (letztes Bild), damit man eine Vorstellung davon hat, wie so ein Tier aussieht.


Schwanzlos/Manx

Dies ist die Züchtungsform, die mir (nach den Nacktratten) am wenigstens verständlich ist. Ratten haben einen langen Schwanz, fertig! Das ist ein Teil ihres seins, er macht einen großen Teil dieser Tiere aus. Wenn man ihn nicht mag, mag man auch die Tiere nicht, so zumindest meine Gedanken. Doch trotzdem sind Menschen auf die Idee gekommen, den Ratten ihre Schwänze wegzuzüchten, mit katastrophalen Folgen für die Tiere!

 

Ratten regulieren einen Großteil ihrer Körpertemperatur über den Schwanz, fehlt dieser, kann es schnell zu Überhitzung oder Unterkühlung kommen. Weiterhin nutzen Ratten ihren Schwanz, um balancieren und sich festhalten zu können. Fehlt der Schwanz, fällt es der Ratte viel schwerer zu klettern und über Äste zu balancieren, stürzt schneller ab und bricht sich dabei im schlimmsten Fall das Genick. Ganz zu schweigen davon, dass Ratten unheimlich gerne klettern und ihnen die Chance dazu somit genommen wird. 

 

Den Ratten fehlt zumeist nicht nur der Schwanz, sondern ihr gesamter Körper ist verformt:

Er ist kürzer und rundlicher, die Hinterbeine sind immer länger als die normaler Ratten. Diese Veränderungen am Skelett führen dazu, dass die Tiere nicht wie normale Ratten laufen können, sondern sie müssen (wie Hasen und Kaninchen) hoppeln.