Integration

Neue, sich unbekannte Ratten darf man in keinem Fall einfach so zusammensetzen. Man muss sie integrieren, vergesellschaften. Wie das funktioniert und was man beachten muss, erfahrt ihr auf dieser Seite.

 

Warum ist eine Integration überhaupt nötig?

Ratten sind revierbildende Tiere und dieses Revier verteidigen sie gegen fremde Artgenossen.

Bei Wanderratten in der freien Natur enden Begegnungen zwischen sich fremden Ratten selten mit Verletzungen oder gar tödlich, denn die Tiere können sich aus dem Weg gehen.

Bei Farbratten in beengten Verhältnissen ist dies jedoch nicht möglich.

 

Wenn die fremden Ratten nach den ersten Drohgebärden der "alten" Ratten nicht fliehen (können), kann es zu Kämpfen kommen, die im schlimmsten Fall sogar tödlich enden können.

 

Wann darf man nicht integrieren?

Situation A:

Ein Teil der Ratten ist erwachsen (über 12 Wochen) und der andere Teil ist es noch nicht (unter 12 Wochen).

In diesem Fall darf man nicht integrieren, da die jüngeren Tiere, den älteren rein körperlich nichts entgegen zu setzen haben.

Vor allem in Fällen, in denen die jungen Tiere um die 4 Wochen und die älteren bereit ein halbes Jahr oder älter waren, kam es zu schlimmen Verletzungen und sogar zu Todesfällen.

Ist die Ratte über 12 Wochen alt, wiegt aber noch keine 200g sollte man ebenfalls von einer Integration absehen, bis alle Beteiligten über 200g wiegen!

Weiterhin besteht das Problem, dass Tiere unter 10-12 Wochen noch kein Revierverhalten ausgebildet haben. Wollen die älteren Revierstreitigkeiten austragen, wissen die jungen gar nicht, was los ist.

 

Situation B:

Eines der Tiere ist krank, hat Milben,...

Ein krankes Tier kann nicht nur die gesunden Tiere anstecken, es ist auch meist durch seine Krankheit geschwächt und kann sich nicht gegen die gesunden Tiere zur Wehr setzen.

In diesem Fall sollte mit einer Integration gewartet werden, bis alle Tiere wieder gesund sind.

 

Was sollte man vor einer Integration beachten?

In alten Integrationsanleitungen ist immer wieder zu lesen, dass man die Käfige der neuen und alten Ratten im Abstand von 10cm nebeneinander stellen, Streu und Einrichtung tauschen sollte.

Von diesem Vorgehen wird mittlerweile abgeraten, da es zu Aggressionen führen kann.

 

Für die revierbildenden Tiere läuft es dann nämlich folgendermaßen ab:
Die Alten riechen, sehen und hören die Neuen in ihrem Revier. In aller Regel wollen sie die Neuen vertreiben, was sie aber (auf Grund der Käfige) nicht können.

Dadurch können sich Aggressionen aufstauen, die sich dann beim ersten richtigen Aufeinandertreffen heftigst entladen können.

 

Das beste ist es, wenn die Tiere in getrennten (artgerechten) Käfigen in verschiedenen Zimmern mit einer Tür dazwischen stehen.

In jedem Fall müssen beide Rudel einen getrennten Auslauf erhalten. Wenn die alten die neuen in ihrem Auslauf riechen, hat man das selbe Problem wie oben bereits beschrieben.

Ist es nicht möglich, die Tiere in getrennten Räumen unterzubringen, so sollten sie zumindest so weit wie möglich voneinander entfernt stehen. Ideal ist dies aber leider nicht.

 

Wie funktioniert eine Integration?

Eine Rattenintegration muss langsam und schrittweise erfolgen. Es sind immer viel Geduld und Einfühlungsvermögen nötig.

Auf keinen Fall darf man etwas überstürzen und wenn man sich mit etwas nicht sicher ist, sollte man lieber warten, einen Schritt zurück gehen, oder Rat von integrationserfahrenen Rattenhaltern einholen.

 

 

1. Schritt:

Der erste Schritt bei einer Rattenintegration muss gut geplant sein.

Es muss ein Treffen auf neutralem Boden sein.

Neutraler Boden bedeutet, dass keine der Ratten vorher dort gewesen ist. Viele empfehlen die (mit einer Decke ausgelegte) Badewanne oder Dusche, dabei muss man aber immer auf die Ratten achten. Viele Ratten fühlen sich darin unwohl und versuchen nur herauszuhüpfen und beschäftigen sich nicht miteinander.

 

Ich habe die besten Erfahrungen mit einem "Bretterverschlag" gemacht.

Dazu einfach in den Baumarkt gehen und "Schrankrückwände" (sehr dünnes Holz) zusägen lassen. Sie sollten wenigstens 80cm hoch sein und es sollte sich eine Grundfläche von wenigstens 80x50cm bilden lassen. Größer sollte die Fläche nicht sein, damit die Ratten sich nicht zu sehr aus dem Weg gehen können. Um den Boden zu schützen habe ich einen Karton und darüber eine Decke hinein gelegt.

 

Das erste Treffen sollte nicht mehr als 5 Minuten dauern.

Im Normalfall werden sich die Tiere nicht großartig für einander interessieren und hauptsächlich die neue Umgebung erkunden. Für den Notfall sollte aber ein Handfeger oder ein Kehrblech bereit stehen, um die Tiere (ohne Risiko für die eigenen Hände) trennen zu können.

Selbst wenn alles ruhig ist, sollte man das erste Treffen nach 5 Minuten beenden. Die meisten Ratten sind bei den ersten Treffen einer Integration in einer Art "Schockstarre" und tun nichts, weil sie zu verängstigt und gestresst sind. Diesen Zustand sollte man nicht länger als nötig aufrecht erhalten.

 

2. Schritt:

Der zweite Schritt verläuft im Prinzip wie der erste: Treffen auf neutralem Boden.

Nur werden die Treffen jetzt schrittweise verlängert. Von 5 auf 10, auf 15, auf 20 Minuten und so weiter.

Auch hier sollte noch immer ein Kehrblech oder ein Handfeger parat liegen.

 

Wasser sollte ab einer Zeit von einer halben Stunde angeboten werden, Futter erst ab einer Stunde. Bitte keine Leckerchen, um die sich gestritten werden könnte, sondern nur das Grundfutter, welches den Tieren ohnehin immer zur Verfügung steht.

 

Kommt es auch nach 3-4 Stunden auf neutralem Grund nicht zu zu Streitereien, kann man den Ratten eine Rückzugsmöglichkeit anbieten. Wichtig ist, dass das Häuschen wenigstens 2 Ein-/Ausgänge hat, damit eine Ratte nicht darin "eingesperrt" werden kann. Wird sich um das Häuschen gestritten, sollte es zunächst wieder herausgenommen und nach einigen Treffen ohne wieder angeboten werden.

Wer so ein Haus aus Holz nicht hat, kann es sich leicht selbst basteln. Wie das geht erfahrt ihr hier: *klick mich*

 

Nach einigen Treffen mit Häuschen auf neutralem Boden kann zu Schritt 3 übergegangen werden.

 

Zwischenschritt

Diesen Schritt kann man machen, wenn die Möglichkeit besteht, es ist aber kein Muss.

Klappen die Treffen auf neutralem Grund über ca. 1 Stunde, kann man die Flächeauf 100/120x50/80cm vergrößern.


3. Schritt:

Der dritte Schritt ist etwas heikler als die vorherigen. Es geht nun in den Auslauf des Stammrudels. Bevor neue und alte Tiere dort zusammengesetzt werden können, muss der Auslauf gründlichst gereinigt werden. Nur fegen/saugen reicht nicht, sondern der es muss mit Essigwasser gewischt werden. Findet der Auslauf auf Teppich statt, sollte der Teppich so gründlich wie möglich gereinigt und mit Decken und/oder Kartons ausgelegt werden. 

 

Hier sollte mit einer Stunde angefangen werden. Es sollte außer Futter und Wasser noch kein Zubehör im Auslauf stehen.

 

Auch hier sollte die Zeit Schritt für Schritt erhöht werden.

Funktionieren die Treffen über mehrere Stunden kann wieder ein Haus mit mehreren Eingängen hinzugegeben werden. Klappt es mit diesem Haus kann ein zweites hinzugegeben werden.

Außerdem können Leckereien angeboten werden, die nicht weggeschleppt werden können. Also z.B. Frucht-Babybrei

 

Zwischenschritt:

Wenn es möglich ist, kann man die Ratten über Nacht im Auslauf zusammenlassen. Dies ist allerdings meist nur bei einem Dauerauslauf möglich, da normale Ausläufe in der Regel nicht sicher/Stabil genug sind.


4. Schritt:

Als letzten Schritt geht es in den endgültigen Käfig. Ist dieser nicht neu und war vorher von einem Teil des neuen Rudels bewohnt, muss er mehr als gründlich gesäubert werden.

Alle Ebenen und Gitter müssen mit heißem Essigwasser (Wasser + Essigreiniger) gründlich gesäubert werden.

Ist die Einrichtung nicht neu, so muss auch sie gründlich gereinigt werden. Keramik- und Plastikteile können ebenfalls einfach mit Essigwasser abgespült, oder in die Spülmaschine gestellt werden.

Holzteile müssen mit Essigwasser gereinigt werden. Danach lässt man sie für ca. 10Minuten abtropfen und stellt sie dann für 1Stunde bei 90° in den Ofen. Achtung: Das stinkt meist unheimlich, also gut lüften!

Wenn es möglich ist, sollten Etagen und Einrichtung neu angeordnet werden, sodass der Käfig für alle Tiere vollkommen neu ist.

 

Zu Anfang sollten nur Häuser mit 2 oder mehr Eingängen angeboten werden.

 

Sind alle vorherigen Schritte gut gelaufen und das Rudel in sich bereits gefestigt, sollte dieser letzte Schritt keine großen Probleme mehr mit sich bringen.

Alle Ratten sollten sich neugierig umschauen, alles erkunden und beschnüffeln. Nach einiger Zeit sollte Ruhe einkehren.

 

Ob eine Integration erfolgreich war, kann man erst nach einigen Wochen im gemeinsamen Käfig mit Sicherheit sagen. Kleinere Rangeleien oder Streitigkeiten sind normal. Kommt es aber zu Verletzungen, dauernden Kämpfen o.ä. sollte man die Ratten wieder trennen und zu Schritt 2 zurückkehren, so schwer es einem fallen mag, aber es ist das beste und sicherste für die Ratten.

 

"Babyintegration"

Eine Babyintegration, ist eine stark verkürzte Integration, die nur bei Ratten unter 10 Wochen durchgeführt werden darf.

 

Das Revierverhalten von Ratten bildet sich erst zwischen der 10. und 12. Woche aus, davor ist es nicht vorhanden. Somit ist auch nicht der Drang vorhanden, das eigene Revier zu verteidigen.

 

Trotzdem sollte man die Ratten nicht einfach so in einen Käfig zusammen stecken.

Auch hier sollte man die Ratten erst in einem neutralen Gebiet zusammenlassen.

In aller Regel sollte es keine Aggressionen geben, sondern die Tiere sollten sich eng aneinander kuscheln und beieinander Schutz suchen. Tun sie dies, kann man sie für längere Zeit zusammen lassen. Trotzdem sollte man sie in den ersten Stunden aber nicht unbeobachtet lassen.

 

Verstehen sie sich über 1-2 Stunden ohne Probleme, kann man den Käfig gründlich mit Essigwasser reinigen und die Tiere dann zusammen lassen.

 

 

Kommt es im neutralen Gebiet zu aggressivem Verhalten, sollte man die Ratten sofort voneinander trennen (nicht mit der bloßen Hand, sondern mit einem Kehrblech, Handfeger oder einer behandschuhten Hand) und den Tieren eine Ruhepause geben.

Aggressionen sind in diesem Alter eher ein Zeichen von Streß, als von "Bösartigkeit".

Nach einer Ruhepause von einigen Stunden kann man es erneut versuchen. Zeigen sich dann immer noch Aggressionen, muss eine richtige Integration durchgeführt werden.