Einzelhaltung?

Immer und immer und immer wieder sieht, hört oder liest man, dass Ratten oder Mäuse einzeln gehalten werden und immer wieder wird man als Ratten-/Mäusehalter gefragt: Kann ich denn nicht nur eine Ratte/Maus halten?

 

Die klare und unumstößliche Antwort ist NEIN!!!

 

Sowohl Ratten, als auch Mäuse dürfen niemals, ich wiederhole niemals, alleine gehalten werden!

 

Ratten und Mäuse sind Rudeltiere und ein Mensch kann ein artgleiches Tier niemals ersetzen. Das ist physiologisch nicht möglich!

Beide Tierarten verständigen sich untereinander vorwiegend im Ultraschallbereich, den ein Mensch nicht erreichen kann. Ein Mensch kann niemals so kommunizieren wie eine Ratte oder eine Maus.

 

Weiterhin lieben es Ratten und Mäuse auf einem großen Haufen in einem Häuschen zusammengekuschelt zu liegen und sich gegenseitig zu wärmen. Auch das kann ein Mensch nicht immitieren (und in so ein Häuschen für Ratten oder Mäuse passt ein Mensch nunmal nicht rein!).

 

Als Mensch kann man Ratten und Mäuse zwar streicheln und kraulen, aber man kann nicht die Ohren oder das Fell mit den Zähnen putzen oder sanft beknabbern, was beide Tierarten brauchen, um sich wohl zu fühlen.

 

Auch kann ein Mensch nicht mit einer Ratte oder Maus spielen, wie es eine andere Ratte oder Maus tun würde! Wer einmal gesehen hat, wie diese Tiere mit artgleichen Tieren spielen, der würde dies niemals annehmen. Auch Hunde spielen untereinander völlig anders, als mit Menschen. Nichts anderes ist es bei Ratten und Mäusen.

 

Oft hört man von Besitzern einzelner Ratten/Mäuse: "Sie ist alleine glücklich" oder "Sie hat doch mich und braucht keine Artgenossen um glücklich zu sein".

Bei solchen Aussagen kann ich mich immer nur an den Kopf fassen und fragen: Woher zum Teufel wissen diese Leute das??

Haben sie eine Möglichkeit gefunden, dass die Ratten/Mäuse ihnen erzählen oder aufschreiben können, das es ihnen gut geht? Ich denke nicht!

 

Solange das nicht passiert, kann mir persönlich kein Mensch glaubhaft machen, dass ein Rudeltier ohne artgleiche Gesellschaft glücklich ist.

 

Ein Mensch kann keine artgleiche Gesellschaft ersetzen!

 

Ein immer wieder gern genommenes Argument für Einzelhaltung ist dieses: Eine einzelne Ratte/Maus wird viel zahmer als eine im Rudel.

 Auch dieses Argument ist vollkommener Blödsinn. Vor allem bei Mäusen. Wie bereits hier erklärt, sind Mäuse reine Beobachtungstiere und es sollte ohnehin keine große Rolle spielen, ob sie zahm sind oder nicht.

 

Bei Ratten ist das etwas anderes:

Ich hatte bisher nie weniger als 4 Ratten (meist eher zwischen 6 und 8) und die Tiere, die vorher noch keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, sind alle zahm geworden. Alle lassen sich streicheln, teils sogar knuddeln, in jedem Fall aber anfassen und herausnehmen.

Die Zahmheit einer Ratte hängt nicht von der Rudelgröße, sondern vom Charakter des Tieres und der Zeit/Geduld ab, die der Mensch in sie investiert.

 

Neben dem Vorteil, dass man den Tieren ein artgerechtes Leben ermöglicht, wenn man sie in Rudeln hält, hat man also (bei Ratten) noch den Vorteil, dass man mehr zum knuddeln und lieb haben hat.

 

Als weiteres Argument "pro Einzelhaltung", wird folgendes angeführt: Meine Ratte/Maus liebt mich. Sie ist immer bei mir, kommt freiwillig zu mir und will auch nicht weg.

Klar... Wo soll das Tier auch hin, wenn es keinen artgleichen Bezugspartner hat. Ich finde, dass hier der Spruch "in der Not frisst der Teufel Fliegen" sehr passend ist. Ratten und Mäuse sind hochsoziale Tiere, die Kontakt zu anderen Lebewesen haben wollen und müssen. Aber aus den oben genannten Gründen, kann ein Mensch eine Ratte/Maus niemals ersetzen.

 

Hier findet ihr nun eine Bildergalerie, die den oben stehenden Text untermauern soll. Lasst die Fotos auf euch wirken und überlegt, ob einzeln gehaltene Tiere wirklich so glücklich sind, wie ihre Besitzer sagen, wenn sie auf so etwas verzichten müssen!

Bildergalerie gegen Einzelhaltung

Wie viele Tiere sollen es dann sein?

Einzelhaltung ist Tierquälerei, das ist Fakt. Aber ab welcher Gruppengröße beginnen sich Rudeltiere wohl zu fühlen?

Es wird immer noch an vielen Stellen propagiert, dass Paarhaltung bei Ratten/Mäusen absolut in Ordnung sei, dass es dabei oft zu Streitigkeiten kommt, wird in aller Regel verschwiegen.

 

Zwei Tiere sind ein Paar, kein Rudel.

 

Wenn man nur zwei Tiere zusammenhält, kommt es, wie oben erwähnt, oft zu Streitigkeiten. Jedes Tier hat seine eigene Persönlichkeit und die muss mit der des anderen nicht zwingend konform gehen. Wenn ein Tier sehr aktiv und das andere eher faul ist, ist Streß bereits vorprogrammiert. Bei drei oder mehr Tieren, ist das Risiko von vollkommen verschiedenen Charakteren geringer.

Man kann mit der Paarhaltung Erfolg haben und die Tiere lieben sich heiß und innig, doch was ist, wenn eines der Tiere vorzeitig stirbt? Dann ist eines alleine, man muss möglichst schnell ein weiteres Tier im passenden Alter finden und beide müssen dem Streß einer Integration ausgesetzt werden.

 

Für Anfänger würde ich immer eine Gruppengröße von vier Tieren empfehlen. Gruppen in dieser Größe sind meist stabil, können sich auch alleine untereinander beschäftigen und brauchen nicht immer Aufmerksamkeit vom Menschen.

Weiterhin hat man bei dieser Anzahl an Tieren eher selten das Problem, dass ein einzelnes Tier ausgegrenzt wird, was bei drei Tieren durchaus passieren kann.