Vor der Anschaffung

Vor der Anschaffung eines jeden Tieres müssen sich viele Gedanken gemacht und Fragen gestellt werden.

Nur weil es sich um Kleintiere handelt, sind diese Fragen nicht weniger wichtig, als z.B. bei Hunden oder Katzen.

 

Deshalb nun hier die wichtigsten Fragen, die man sich vor der Anschaffung von (Klein)tieren stellen sollte!

 

Sind alle mit den neuen Tieren einverstanden?

Eine sehr wichtige, doch leider immer wieder vernachlässigte Frage.

 

Es gibt viele verschiedene Situationen, in denen man sicher sein muss, dass alle Personen im näheren Umfeld mit den neuen Mitbewohnern einverstanden sind.

 

Situation A:

Man selbst ist minderjährig und wohnt noch bei seinen Eltern.

Dies ist eine sehr häufige Situation. Das Kind oder der Teenager wünscht sich Tiere und belagert seine Eltern so lange, bis sie nachgeben.

Eine denkbar ungünstige Situation, denn in 90% der Fälle stehen die Eltern nicht hinter dem Tierwunsch der Kinder.

Gerade wenn man als Tierhalter noch minderjährig ist, ist dies aber unabdingbar.

Oftmals muss man mit den Ratten am Samstagabend um 23:00 zum Nottierarzt, bei dem muss man dann für die Behandlung außerhalb der Sprechstunde um die 100€ zahlen. Eine minderjährige Person, ohne beständiges Einkommen und ohne Führerschein, wird es da ohne Unterstützung der Eltern schwer haben.

 

Wenn die Eltern nicht zu 100% hinter den neuen Tieren stehen, monatelang überredet werden müssen, ist es meist besser, auf die Volljährigkeit, den Führerschein und einen Job zu warten.

 

Situation B:

Man selbst ist volljährig und wohnt noch bei den Eltern.

Wenn man sich in diesem Fall trotz aller Verbote der Eltern, also gegen deren Willen Haustiere anschafft, kann das zu starken Spannungen innerhalb der Familie führen.

Aber selbst wenn man die Eltern überredet hat und sie (widerwillig) zugestimmt haben, sollte man seine Eltern nicht überfallen.

Man sollte es langsam angehen lassen, den Eltern immer wieder "Informationshäppchen" geben und wenn die Tiere da sind sie davon überzeugen, dass sie ja gar nicht sooo schlimm und eigentlich ganz niedlich sind. In vielen Fällen führt dieser "langsame und behutsame" Weg dazu, dass sich die Eltern an die Tiere gewöhnen und im Falle eines Falles sich auch um sie kümmern.

Vorraussetzen sollte man dies aber nicht, das führt nur zu Verspannungen und Streitigkeiten.

 

Situation C:

Man ist volljährig und lebt in einer WG.

Viele Studenten oder Azubis wünschen sich Ratten oder Mäuse und vergessen dabei oft, ihre Mitbewohner zu fragen.

Viele Menschen ekeln sich leider immer noch vor den Kleinnagern mit den langen Schwänzen und möchten nicht mit ihnen unter einem Dach leben. Das sollte vorher geklärt werden.

Beide Tierarten haben einen Eigengeruch. Dieser ist immer vorhanden, selbst bei optimaler Pflege. Ist jeder der Mitbewohner bereit mit diesem Geruch zu leben?

Gerade in einer WG hat man als einzelner oft nicht viel Platz zur Verfügung. Sind die Mitbewohner bereit das Bad oder das Wohnzimmer für eine Rattenintegration oder einen Rattenauslauf zur Verfügung zu stellen? Das sollte ebenfalls vor der Anschaffung geklärt werden.

Ansonsten kann es auch hier zu starken Spannungen und Streitigkeiten kommen.

 

Hat jemand eine Allergie?

Hierbei muss nicht nur geklärt werden, ob jemand eine Allergie gegen die Tiere an sich hat.

Auch auf Streu und Futter kann man allergisch reagieren.

 

Anstatt einen Allergietest zu machen empfiehlt es sich, einen Tierhalter zu besuchen. Viele Foren führen sog. "Probekuschellisten" in denen sich Halter eintragen, bei denen man vor der Anschaffung vorbeischauen und eben probekuscheln kann.

 

Vor allem sollte man sich die Tiere über die nackten Hände und Arme laufen lassen. Denn gerade bei Ratten ist es oft schon vorgekommen, dass Allergien gegen den Urin der Tiere vorhanden waren.

 

Sind finanzielle Rücklagen in größerer Höhe vorhanden?

Ratten und Mäuse sind leider keine günstigen Tiere.

Auch wenn ihre Anschaffung in Zooläden nur 1-7€ und im Tierheim oder der Notfallvermittlung 5-20€ kostet, braucht man für diese Tiere finanzielle Rücklagen.

Ein artgerechter Käfig für Ratten kostet wenigstens 50€, einer für Mäuse 30€. Nach oben sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Beim kompletten Neukauf von Zubehör sollte man mit 100-200€ rechnen. Auch hier gibt es nach oben hin wenig Grenzen.

Trocken- und Frischfutter sowie Streu kosten im Monat (je nach Rudelgröße) 15-60€.

 

Aber das sind nicht die größten Kosten. Diese hält der Tierarzt bereit.

Ratten und Mäuse werden leider sehr oft krank. Die Behandlung eines einfachen Schnupfens kann bei einem ganzen Rudel leicht 40-60€ kosten. Eine Tumorentfernung oder Abzeßspaltung kostet ähnlich viel.

Man kann für ein 4 köpfiges Rattenrudel in einem Monat leicht mehr als 200€ beim Tierarzt lassen.

Dies sollte man zwingend vor der Anschaffung bedenken!

Denn ein Tier leiden zu lassen, nur weil kein Geld für den Tierarzt da ist, ist unverantwortlich!

 

Man sollte bereits einige Monate vor der Anschaffung der Tiere beginnen, jeden Monat pro geplantem Tier 10-20€ zurück zu legen. Behält man dies auch nach der Anschaffung bei, sollte das Polster ausreichend sein.

 

Gibt es genug Platz für die Tiere?

Auch wenn Ratten und Mäuse kleine Tiere sind, brauchen sie große Käfige/Gehege.

Für Mäuse gilt eine Mindestgrundfläche von 80x50cm, für Ratten 100x50cm. Größere Käfige sind immer besser, kleiner dürfen sie nicht sein. Gibt es genug Platz dafür?


Ratten brauchen zudem jeden Tag wenigstens 2 Stunden gesicherten Auslauf, gibt es auch dafür genug Platz?

 

Wenn nicht sollte man nicht egoistisch sein und auf die Tierhaltung verzichten. Die Tiere können sich nicht aussuchen wo und wie sie leben, deshalb sollten wir ihnen ihr Leben so schön und artgerecht wie möglich gestalten.

Dazu gehört ein ausreichend großer Käfig. Ist es nicht möglich diesen zu stellen, sollte man mit der Tierhaltung warten, bis man genügend Platz zur Verfügung hat.

 

Wohin mit den Tieren im Urlaub?

Sowohl Ratten als auch Mäuse kann man im Notfall für 2-3 Tage komplett alleine lassen, wenn sie denn gesund sind. Davor müssen einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden (mehr dazu im Unterpunkt "Artgerechte Rattenhaltung - Haltung").

 

Im Idealfall guckt aber auch in so einem Fall jemand einmal am Tag nach den Tieren. Ist dies gewährleistet? Gibt es jemanden, der regelmäßig nach den Tieren schauen kann, wenn man selbst nicht zu Hause ist?

 

Am schönsten ist es für die Tiere in ihrem angestammten Revier zu bleiben, auch wenn man für mehr als 3 Tage weg ist. Gibt es jemanden, der bereit ist für fremde Tiere in einer einer fremden Wohnung täglich 1-3Std. zu investieren?

 

Gibt es so jemanden nicht, muss man eine gute Pflegestelle an der Hand haben, zu der man die Tiere bringen kann, wenn man länger als 3 Tage unterwegs ist.

Tierheime bieten zwar oft einen Urlaubsservice an, aber ob es den Tieren dort gut geht und sie die nötige Aufmerksamkeit erhalten, ist eine andere Frage.

Eine private Pflegestelle ist meist schöner.

 

Dann müssen aber folgende Punkte geklärt sein:

Hat diese Pflegestelle Erfahrung mit Kleintieren? Kann sie Krankheitsanzeichen rechtzeitig erkennen? Scheut sie sich nicht, mit fremden Tieren zum Arzt zu gehen? Hat sie genug Platz für die Tiere (auch um Ratten einen gesicherten Auslauf zu bieten)?

 

Am sichersten ist es, für die Zeit in einer Pflegestelle einen Urlaubsvertrag zu machen. In diesem wird geklärt, welche Ratten wie lange und in welchem Käfig bei wem bleiben, wer Futter-, Streu- und Tierarztkosten übernimmt, usw.